2×5: Harald Strutz (Präsident 1. FSV Mainz 05)

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Interview: David Gutsche
Foto: Ramon Haindl

Welche Aufgaben hat der Präsident eines Fußballvereins?

Es geht um Kontakte zu Sponsoren und Unternehmen, aber auch um die politische Ebene, die sehr wichtig ist bei Entscheidungen wie dem Bau der neuen Arena. Dann geht es aber auch um die Kontakte zu den Verbänden (DFB) und der deutschen Fußballliga. In beiden bin ich Vizepräsident. Letztendlich ist man als Präsident sehr vielschichtig für den Verein tätig.

Welche Eigenschaften benötigt man als Präsident?

Man braucht Visionen und ein Herz für die Aufgabe. Außerdem muss man sich damit identifizieren. Dazu gehört auch eine große Verbundenheit zu der Stadt und den Menschen. Ich bin geborener Mainzer, daher fällt mir das besonders leicht. Darüber hinaus sollte man unterschiedlichste Interessen zusammenführen können, in guten und in schwierigen Zeiten. Alle sollen sich am Bruchweg wohlfühlen. Es muss menschlichen, denn wir sind ein familiärer Verein.

Was sind positive und negative Aspekte Ihres Berufs?

In den bisher 22 Jahren habe ich keinen negativen Aspekt gesehen. Für mich gibt es nur positiven Stress. Natürlich muss man auch lernen, mit Enttäuschungen und Niederlagen umzugehen, wie etwa ein verpasster Aufstieg in letzter Sekunde. Da bin ich schon ziemlich angefressen, denn ich will, dass die Leute gut drauf sind, denn die identifizieren sich mit dem Verein und damit auch mit der Stadt. Unsere Erfolge bringen auch die Stadt voran.

Bei welchem anderen Verein wären Sie auch gerne einmal Präsident?

Beim FC St. Pauli. Weil das ein Kultverein ist, der die gleiche Philosophie mit sich trägt. Wir kommen ja eigentlich aus der Karnevalsecke. Das ist auch das Beste, das uns passieren konnte. Denn daher kommt auch die Identifikation und Lebensfreude. Bei St. Pauli ist es das gleiche. Es ist langweilig, Fan von Bayern München oder dem HSV zu sein. Ein Fan muss auch mal leiden und darum bangen, ob die Mannschaft in der Liga bleibt oder nicht.

Wie lange bleiben Sie noch Präsident?

Ich bin gewählter Präsident, das hängt also von der Mitgliederversammlung ab. Ich werde aber alles dafür tun, dass man mich weiter will. Es ist ja auch mein Lebenswerk geworden. Mit 60 Jahren bin ich der dienstälteste Bundesligapräsident. Unser Manager Christian Heidel ist der älteste Manager, seit Uli Hoeneß aufgehört hat, und er ist 13 Jahre jünger als ich. Das ist trotzdem noch relativ jung für eine Vereinsführung. Das Entscheidende aber sind das Brennen und die Lust. Es sind die Visionen, wie jetzt die neue Arena. Es ist toll, das noch zu erleben und das feuert mich an, persönlich, aber auch für den Verein und die ganze Stadt. Wir sind nicht mehr nur die Narren, sondern ein hoch angesehener Verein in der Bundesliga.

Womit verbringen Sie Ihre Freizeit?

Spazieren gehen, Verreisen, Sport. Und Rockmusik mit meiner Band „The Stags“. Meine Freizeit verbringe ich gerne mit meiner Frau und meinen Kindern. Aber eigentlich bin ich jemand, der ständig etwas zu tun haben muss.

Wie kam es zu der Band?

Vor etwa sieben Jahren wollte ich das einfach ausprobieren. Leider etwas spät, denn da war ich ja schon über 50. Ich hatte schon immer eine Faszination für Rockmusik, nur nie den Mut, weil ich dachte, ich müsste zuerst ein Instrument lernen. Dann habe ich aber erkannt, dass auch meine Stimme ein Instrument sein kann. Die Band ist etwas, wo ich einmal die Woche abtauche in ein völlig anderes Leben und es macht einen Riesenspaß.

Was macht Sie glücklich und was wütend?

Wütend machen mich Unfairness, Ungerechtigkeit und Lügen. Wenn Menschen sich asozial verhalten. Glücklich machen mich Emotion pur und Leute mit Lebensfreude, ob in der Familie, bei Freunden oder im Verein. Lachen ist der Sinn des Lebens.

Ist das auch Ihr Lebensmotto?

Mein Lebensmotto ist: Ich möchte mir eine fröhliche Kindheit bewahren. Das heißt, jeden Tag zu genießen. Damit meine ich nicht jeden Tag Gaudi oder Event, sondern einfach, bei aller Verantwortung auch mal zu lachen, einfach Mensch sein zu dürfen. Wenn jemand gesund ist und es ihm gut geht, muss er nur noch einen kleinen Schritt tun, um glücklich zu sein.

Was sollte sich in Mainz ändern und warum?

Vieles hat sich schon geändert. Trotzdem sollte man der Jugend mehr Möglichkeiten geben sich positiv auszuleben und zu gestalten. Damit meine ich nicht nur Disko, sondern auch Veranstaltungen wie ein Musikfestival oder ein anspruchsvolles Kulturangebot. Wir dürfen aber nicht nur jammern, sondern müssen selbst initiativ werden und höhere Ansprüche stellen. Bei aller Kritik ist aber eins klar: Wir Mainzer tragen das Gen der Lustigkeit und Fröhlichkeit in uns. Und das sollten wir pflegen, denn so leben wir hier wie im Paradies.

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