2×5 mit Polizeipräsident Karl-Heinz Weber

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Interview: David Gutsche
Foto: Ramon Haindl

Wie kamen Sie zur Polizei?

Das war Zufall, eigentlich wollte ich das nautische Patent für die Seefahrt machen und irgendwann als Kapitän eines Schiffes die Weltmeere befahren. Aber durch den frühen Tod meines Vaters musste ich diese Pläne aufgeben und bin dann durch einen Schulfreund animiert worden, mit ihm zur Polizei zu gehen. Mit ihm habe ich dann auch die Prüfung abgelegt und die gesamte Ausbildung absolviert. Die war so intensiv, dass für andere Dinge keine Zeit mehr blieb. Ende der 60er Jahre war ich bei der Schutzpolizei, also der uniformierten Polizei. Später bei der Kriminalpolizei und dann über viele Jahre im Bereich organisierte Kriminalität, Drogenkriminalität und verdeckte Maßnahmen beim Landeskriminalamt.

Was sind die Aufgaben eines Polizeipräsidenten?

Meine Aufgaben liegen hauptsächlich im organisatorischen und strategischen Bereich. Es geht dabei um das Managen einer Behörde mit rund 1.700 Mitarbeitern. Ich bin trotzdem auf dem Laufenden zu aktuellen Vorgängen und nehme natürlich auch Einfluss. Gerade wenn es darum geht, neue Schwerpunkte zu setzen.

Was sind die aktuellen Vorgänge derzeit?

Es wurde zum Beispiel die Polizeipräsenz in den Innenstädten verstärkt. Nicht, weil Mainz gefährlicher geworden ist, sondern um das subjektive Sicherheitsempfinden zu steigern. Viele Menschen haben hierzu ein negatives Empfinden, etwa beim Thema Wohnungseinbruch oder bei Rowdytum in der Innenstadt.

Was sind die größten Probleme in Mainz?

Mainz hat die typischen Probleme einer Großstadt. Herausragende Besonderheiten haben wir nicht zu verzeichnen. Als Polizei haben wir uns damit auseinanderzusetzen, dass Mainz Teil des Ballungsraumes „Rhein-Main“ ist und deshalb schon aus diesem Grunde besondere Herausforderungen bestehen: Zum Beispiel durch reisende Tätergruppen. Eine Besonderheit, die auch durch die gute Verkehrsinfrastruktur und den Flughafen begünstigt wird.

Hat Facebook und das Internet die Polizeiarbeit verändert?

Die neuen Medien haben die Kriminalitätslandschaft verändert. Es gibt eine Reihe von Kriminalitätsformen, die über das Internet geschehen. Das bedeutet für uns, dass wir uns neuen Herausforderungen zu stellen haben und das tun wir auch schon seit einigen Jahren. Facebook und andere Möglichkeiten sind hinzugekommen und auch damit setzen wir uns aktuell auseinander, nicht immer zu unserer Freude: Bei einer Räumung des Jahrmarktes kürzlich in Bad Kreuznach wurden über Facebook zum Beispiel Unwahrheiten über unseren Einsatz verbreitet.

Sind Sie zu Hause auch Polizist?

Nach einem langen Tag mit vielen offiziellen Terminen bin ich sehr schnell „nur noch“ Privatmann. Raus aus dem Anzug, rein in die Freizeitkleidung und den Abend oder das Wochenende mit der Familie und mit Freunden genießen. Wenn dann noch Zeit bleibt, einem meiner Hobbys nachzugehen, ist das perfekt.

Was für Dinge sind das?

Ich bin seit vielen Jahren begeisterter Radsportler und in meiner Freizeit sehr gerne mit dem Rennrad unterwegs. Das ist nicht nur gut für meine Gesundheit und mein Wohlbefinden, sondern das sorgt auch dafür, dass ich auf andere Gedanken komme. Mit Gleichgesinnten durch eine schöne Landschaft zu fahren ist für mich ein Hochgenuss.

Was werden Sie tun, wenn Sie in Pension gehen?

Da gibt es verschiedene Überlegungen, weil ich mich vom Ruhestand nicht überraschen lassen möchte. Ich werde zwei Jahre, bevor dieses Datum ansteht, also in weiteren zwei Jahren, mich konkret damit beschäftigen, welche dieser Ideen tatsächlich zu verwirklichen sind. Vielleicht mache ich auch weiter beim WEISSEN RING, der Opferhilfs- und Opferschutzorganisation. Da bin ich seit 2006 ehrenamtlicher Landesvorsitzender. Der WEISSE RING ist für die Opfer von Kriminalität da. Oft hilft es bereits, einfach nur da zu sein und zuzuhören. In anderen Fällen helfen wir auch finanziell und vermitteln fachärztliche Behandlung oder Rechtsberatung.

Haben Sie schon mal gekifft?

Nein, definitiv nicht. Obwohl ich aus den 68ern komme und viele meiner Schulfreunde damals ihre ersten Drogenerfahrungen gemacht haben. Aber ich bin damals einen ganz anderen Weg gegangen, habe viel Sport getrieben und immer auf meine Gesundheit geachtet. Außerdem bin ich dann zur Polizei. Das, was viele andere 68er unternommen haben, war für mich nicht so erstrebenswert.

Haben Sie ein Lebensmotto?

Leben und leben lassen. Ich glaube, damit ist man im Leben immer gut beraten.

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