Der Klavierspieler: Simon Höneß

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von Fiona Sara Schmidt
Fotos: Carola Schmitt

„Klaviermusik am Rhein?“, fragt sich manch einer verwundert. Da spielt wohl Simon Höneß. Bei gutem Wetter ist er mit seinem mobilen Klavier unterwegs.

Wenn die Sonne auf die kleinen Wellen des Rheins scheint, kann es passieren, dass der Wind ein paar Klaviertöne den Weg am Ufer entlang trägt. Simon Höneß ist wohl mit seinem mobilen Klavier in der Nähe. „Ich kann spielen, wann und was ich will. Und ich habe nur Publikum, dem es gefällt – alle anderen gehen weiter“, sagt Simon. Er liebt es, wenn zehn Kinder um sein dreirädriges Straßenklavier stehen und „Biene Maja“ singen oder mit Spaziergängern herumzualbern, die ihren Augen nicht trauen, im Freien ein Klavier zu sehen. Oft blickt er auch einfach auf den Rhein und spielt nur für sich – meistens Jazz.
Schon als Kind hatte Simon ein Notenbuch, auf dessen Umschlag ein Flügel in allen möglichen Situationen abgebildet war, am See oder auf einem Berg. Eines Morgens folgte er dann einer Eingebung: Wie ein Dia sah er ein Straßenklavier beim Aufwachen vor seinem inneren Auge. Noch im Schlafanzug rannte er fünf Stockwerke zu seinem Auto hinunter und nahm Maß. Einige Stunden später hatte er auf Ebay ein enorm stimmstabiles Sauter-Klavier („Ich nenne es Fridolin“) erstanden. Sein Onkel, Schreiner und Erfinder, half beim Anbringen der Räder und kleineren Umbauten. Nun konnte das Piano sicher transportiert werden.

In den Süden
Fridolin und Simon zog es 2009 in den Süden, nach Aix-en-Provence. Dieser Sommer hat viel angestoßen, erzählt Simon. Plötzlich lebte er intensiver und seine Wahrnehmung veränderte sich. Früher war er häufig zögerlich, heute folgt er mehr dem, was er innere Stimme oder Führung nennt. Und seit er seinen Impulsen folgt, fügt sich alles. Sein Credo: Machen statt denken! Auch wenn Simon Yoga betreibt und Spirituellem nicht abgeneigt ist, die Erleuchtung lässt noch auf sich warten: „Manchmal misslingt es auch grandios“, gibt er lachend zu.
Nach dem Jazzklavier-Studium in Frankfurt hatte Simon den Spaß an der Musik beinahe verloren, da dort die musikalisch-technische Leistung im Vordergrund stand. Heute geht es ihm nicht mehr darum, dass Kritiker sein Spiel virtuos oder abgefahren finden. Er möchte auch jazzfernes Publikum berühren statt begeistern. Dabei hilft ihm sein sonniges Gemüt, der Kontakt mit den Zuhörern und dass er berührende Geschichten zu erzählen weiß. Seine selbst komponierten Stücke nennt er „Filmmusik für innere Bilder und Zustände“. Und Frankreich brachte auch seiner vierköpfigen Band „superfro“ einen Schub: Seit einer gemeinsamen Straßentour setzen sie auf rein akustischen Sound und mischen Jazz mit Dancefloor und Latin-Klängen. Das jazzige Element bedeutet für Simon Freiheit. Ein Vorbild ist der 2008 verstorbene Pianist Esbjörn Svensson. Die Entdeckung seiner Gruppe „(e.s.t.)“ war für ihn ein Meilenstein, „unfassbar intensiv“.

Straßenmusik
Als Freak würde sich der 41-jährige Pianist und Komponist aber nicht bezeichnen, lieber als einen, der immer auf der Suche ist oder als eigenständigen Individualisten. Aber was ist schon der Unterschied? Er neige zum Anecken, gibt er zu, ist aber gesellschaftlich bestens aufgestellt. Die wiedergewonnene Spielfreude und seine große Erfahrung mit Veranstaltungen aller Art führen zu beruflichem Erfolg. Straßenmusik macht er nur, wenn er Lust hat und die Sonne scheint. Seine Laune macht sich dann auch im Hut bemerkbar. Der Bürgermeister des südfranzösischen Aix antwortete ihm einst auf die Frage, wie man es dort mit der Erlaubnis für Straßenmusik halte, mit einem Grinsen: „Ist halt verboten – aber solange die Musik so gut ist …“. In Deutschland hat jede Stadt ihre Vorschriften: In Mainz ist Straßenmusik nur werktags erlaubt, in den Jahren mit gerader Endziffer in der „Spielzone 1“ (Rhein bis Dom) von 11 bis 13 Uhr, in der „Spielzone 2“ (Theater bis Schillerplatz) von 16 bis 18 Uhr. Alle 30 Minuten muss man 100 Meter weiterziehen. Simon will keinen Stress: Mit einer Rampe ist das Klavier im Nu in den roten Fiat gerollt. Vormittags sieht man ihn häufiger am Liebfrauenplatz, sonst in der Augustinergasse oder am Rhein.

www.superfro.de
www.stilvolle-livemusik.de

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